Dieses Bild wurde in Kochi im Süden Indiens entdeckt, in einem Gebäude, dessen Fenster den Namen Cochinwallah trugen. Das Wort erinnert sofort an alte anglo-indische Bezeichnungen, bei denen „wallah“ eine Person bezeichnete, die mit einem Ort, einem Beruf oder einer alltäglichen Tätigkeit verbunden war. Ein Chaiwallah. Ein Rickshawwallah. Cochinwallah klingt beinahe wie „derjenige aus Kochi“.
Und genau das passte perfekt zur Atmosphäre.
Der geschnitzte Teakholzrahmen, das dekorative Wappen, die floralen Gravuren im Milchglas und die gemalte Alpenlandschaft tragen Spuren kolonialer Innenräume, wie sie einst in Handelshäusern, Hotels, Clubs und Kaufmannsresidenzen in Kochi weit verbreitet waren. Europäische Romantik, die in tropischer Feuchtigkeit langsam altert.
Nichts blieb unberührt. Die Feuchtigkeit machte das Glas weicher. Manche floralen Details blieben erstaunlich scharf erhalten, während andere sich in Reflexionen, Kratzern und Zeit auflösten. Warme Cremetöne, verblasstes Gold, staubiges Braun, blasses Grün und transluzentes Weiß schaffen eine Farbpalette, die feucht, verblasst und atmosphärisch wirkt.
Die Straßen von Kochi tragen dieselbe vielschichtige Spannung in sich. Koloniale Überreste neben tropischer Vegetation. Verwitterte Fassaden, verblassende Schilder, Cafés, Werkstätten und ruhige Straßen, in denen verschiedene Epochen noch immer selbstverständlich nebeneinander existieren.
Auf Textilien erzeugten die transparenten Überlagerungen eine bemerkenswerte Weichheit und Leuchtkraft. Ornamente scheinen beinahe durch den Stoff selbst zu schweben.
Manche Objekte überstehen die Geschichte besonders schön, einfach weil niemand es eilig hatte, sie zu ersetzen.
Fotografie von Marie-Gon.
Wir versuchen, Inhalte von Google Maps anzuzeigen
Inhalte von einer externen Website können zusätzliche Cookies setzen. Wenn Sie der Datenschutzrichtlinie von Google Maps zustimmen, können Sie den Inhalt hier sehen.