Entdeckt in Lissabon, wirkte diese beschädigte Fliesenfläche weniger wie Architektur und mehr wie Erosion, die sich sorgfältig zu einer Komposition organisiert hatte.

Kleine quadratische Fliesen, rissige Glasuren, freiliegender Zement, verblasste Pigmente und fehlende Fragmente formen langsam ein Bild zwischen Ruine und Abstraktion.

Fast archäologisch. Fast modernistisch.

Sanfte Weißtöne, oxidierte Blautöne, staubiges Rosa, Tabakbraun, verblasstes Gold und Spuren von Schwarz schaffen eine Farbpalette, die von der Zeit selbst ausgebleicht zu sein scheint. Einige Fliesen sind nahezu unversehrt geblieben. Andere haben sich bereits in Struktur, Staub und Erinnerung aufgelöst.

Das Raster bringt Ordnung hinein, während die Schäden diese Ordnung sofort wieder zerstören. Risse durchziehen die Oberfläche. Farben verlaufen ineinander. Leerräume unterbrechen den Rhythmus auf unvorhersehbare Weise. Lissabon altert oft besonders schön, wenn man ihm genügend Zeit lässt.

Nichts hier wurde dafür entworfen, durch Verfall schöner zu werden. Und doch ist genau das geschehen.

Auf Textilien erzeugten das gebrochene Raster und die verwitterten Pigmente eine bemerkenswerte Weichheit und Tiefe. Geometrie, die ihre Kontrolle auf elegante Weise verliert.

Zum Glück hat niemand die Fliesen zu früh ersetzt.

Fotografie von Nynke Moens.

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